Dr. Anica Plaß​mann

 Privatpraxis für

Paar- und Sexualtherapie

Angst

Ängste sind als Volkskrankheit lange bekannt, aber immer noch oft ein schambesetztes Thema. Sie beeinträchtigen das Leben unzähliger Menschen so stark, dass sie die angstauslösenden Situationen oder Objekte meiden, oder mit Angstreaktionen wie Sorgen, Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Atembeschwerden bis hin zu massiver Hyperventilation und Panikattacken reagieren. Der Titel "Angst fressen Seele auf" spricht für sich. Ängste können das Leben zur Hölle machen, selbst wenn für Außenstehende unerklärlich ist, was da gerade passiert.

Ängste und Phobien sind anerkannte und behandelbare Erkrankungen.

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen von Angst:

Phobien haben immer einen bestimmten Auslöser. Die Spinnenphobie ist z.B. lange gesellschaftsfähig. Aber was ist mit all den Angstauslösern, die mit Sexualität in Verbindung stehen? Dies können Körpersekrete, Gerüche und Materialien sein. Sie können Herzklopfen, Beklemmungen, Abscheu bis hin zu Todesängsten auslösen. 

Darüber hinaus ist die Angst vor sexuellem Versagen nicht zu unterschätzen, Angst vor Schmerzen und Verletzungen (beispielsweise vor "Scheidenkrampf" und "Penisbruch"), vor ungewollter Schwangerschaft oder vor Unfruchtbarkeit, Angst vor Infektionen, vor einem zu raschen Erguss, vor Entdeckung oder Zurückweisung, Angst vor dem fehlenden oder zu späten Orgasmus .... . Gerade bei sexuell bedingten Ängsten wählen viele Betroffene aus verständlichen Gründen die Vermeidung. Leider bietet das langfristig keine Lösung. Es empfiehlt sich, therapeutisch an den Ursachen zu arbeiten, um den Weg für ein genussvolles Liebesleben zu bereiten.

Andere Ängste sind diffuser, wie z.B. bei der generalisierten Angststörung. Sie äußert sich in verschiedenen körperlichen Stressreaktionen (Beklemmungsgefühle, Mundtrockenheit, Muskelverspannungen und Zittern, Schwäche- und Schwindelgefühle, Kribbeln im Magen, Schweißausbrüche), Angst davor "auszuflippen" oder verrückt zu werden, Grübeln und dauernden Sorgen. 

Es gibt keinen bestimmten Auslöser, sondern ein andauerndes, sorgenvolles Unwohlsein. Oft schlafen die Betroffenen schlecht, sind gestresst und schreckhaft. Sie können kaum entspannen, sind unkonzentriert, reizbar und fühlen sich aufgedreht. Das macht es mitunter so schwierig, die Krankheit zu erkennen.

Panikattacken sind hingegen berüchtigt dafür, dass sie binnen Minuten ohne nennbare Ursache auftreten. Oft wirken sie wie Herzanfälle o.ä. und können gemeinsam mit Zittern, Schwindel, Schwächegefühl, Angst "verrückt zu werden", Unruhegefühl im Magen und der Angst zu sterben auftreten. Deswegen finden sich etliche Betroffene zunächst in einer Notaufnahme wieder, wo keine Ursache gefunden werden kann. 

Und nach Minuten verschwinden die Symptome wieder. Einfach so, scheint es. Die von ihnen Betroffenen fühlen sich in besonderer Weise ausgeliefert, da die Angstanfälle wie aus heiterem Himmel kommen und insbesondere körperlich lebensbedrohlich wirken.

Angsterkrankungen können sich fatal auf Beziehungen auswirken, da die Angst vor der Angst allgegenwärtig werden kann. Gerade Menschen mit Panikanfällen lauern geradezu auf die nächste Attacke - und Menschen mit generalisiserter Angststörung entkommen ihrer angstbesetzten Stimmung kaum noch. Sie fühlen sich unwohl und sind angespannt. Verzweifelt suchen sie nach Auslösern, um diesen dann aus dem Wege zu gehen. Vor lauter Vorsicht fehlt es an emotionaler Freiheit, sich auf liebevolle Empfindungen einzulassen oder ein erotisches Begehren zu entwickeln. Es ist, als zehre die Angst die komplette Aufmerksamkeit auf. Es bleibt wenig Energie übrig, um sich dem Partner zuzuwenden, denn sie befinden sich meistens in Alarmbereitschaft. Zusätzlich suchen viele Betroffene Entlastung in unterschiedlichen Mitteln und Ritualen, von denen sie sich regelrecht abhängig fühlen: Die x-Tropfen in der Handtasche, .... . Manche Partner von Betroffenen schildern, der geliebte Mensch habe sich regelrecht "in ein Schneckenhaus zurückgezogen". Dass dies eine Partnerschaft belastet, ist klar. Wie aber können Angsterkrankte und ihre Partner wieder mehr Raum gewinnen - auch in der Sexualität? In der therapeutischen Praxis gibt es verschiedene Möglichkeiten, an diesen Anliegen zu arbeiten. Nicht nur verhaltenstherapeutische Konzepte versprechen gute Aussichten auf Linderung.

Zum Thema Medikamente:

In sehr schweren Fällen können auch angstlösende Medikamente (u.a. Antidepressiva und Anxiolytika) ärztlich verordnet werden. Manche davon haben Nebenwirkungen wie Sedierung, Verlust des sexuellen Interesses, Erektionsstörungen oder auch ein eventuelles Abhängigkeitspotenzial. 

Sie sind unbedingt mit dem behandelnden psychiatrischen Facharzt zu besprechen. Viele Menschen versuchen auch, sich selbst mit Alkohol zu helfen. Davon ist dringend abzuraten, da Alkohol die Angstgefühle verstärkt; vom Suchtpotenzial ganz zu schweigen.