Dr. Anica Plaß​mann

 Privatpraxis für

Paar- und Sexualtherapie

Sex nach Prostata-OP

Die Prostatektomie (= chirurgische Entfernung der Prostata) wird zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt. Sie beinhaltet die anteilige oder auch "radikale" (gänzliche) Entfernung der Prostata.

Trotz der guten Heilungschancen zeigen sich drei für das Sexleben wesentliche Nebenwirkungen:

1) Erektionsprobleme, Impotenz und Zeugungsunfähigkeit

53% der Patienten klagen über Lustlosigkeit, 70% über Erektionsprobleme. Die Störung im Erregungsablauf kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Manche Männer haben kaum noch Verlangen. Andere verzichten gleich ganz, weil sie keine "brauchbare" Erektion mehr hinbekommen oder halten können. Wieder andere hätten gern Sex mit Geschlechtsverkehr. Sie erleben allerdings eine Frustsituation nach der anderen. Oft ist auch Zeugungsunfähigkeit eine Nebenwirkung der Behandlung. Es entsteht das Gefühl, die eigene Männlichkeit oder Teile von ihr verloren zu haben. Da hilft es wenig, wenn einem vom Arzt gesagt wird: "Sie haben überlebt! Sein Sie doch zufrieden!" Der Verlust an Lebensqualität für den betroffenen Mann - und auch für seine Partnerin/seinen Partner - ist schließlich auch wichtig.

Manchmal wird unterstützend zu Medikamenten wie Viagra, Cialis, Levitra usw. geraten. Eine solche Medikation muss immer mit dem Facharzt (Psychiater oder Urologe) besprochen werden. Sie birgt erhebliche Risiken u.a. für das Herz-Kreislauf-System, und darf daher nicht von jedem eingenommen werden. Auch dieses Thema ist vielen peinlich. Viele Männer verbergen ihre Ängste und Unsicherheiten, "sowas" einzunehmen.

2) Beeinträchtigte Blasenkontrolle bis Inkontinenz

Viele Betroffene fühlen sich ihrem Harndrang manchmal so ausgeliefert, dass Aktivitäten in der Öffentlichkeit nur in Toilettennähe ausgeübt werden. Prostataeingriffe verursachen oft Inkontinenz unterschiedlicher Schweregrade. Die Männer schämen sich für die beeinträchtigte Blasenkontrolle.Sie verschweigen die Problematik und stoßen in ihrem sozialen Umfeld auf Unverständnis: "Warum kommst Du nicht mit auf die Segeltour, oder den Spaziergang, oder .... ?". Länger andauernde oder anstrengende Aktivitäten können einen ungewollten Harnabgang provozieren. 

Folglich werden sie gemieden. Oder die Betroffenen trinken zu wenig und riskieren schwere Austrockungssymptome und Nierenschäden. Und nicht zuletzt halten die üblichen Hygieneartikel nicht immer die hinreichende Menge an Flüssigkeit. Alternativen wie ein Kondomurinal, Dauerkatheter oder gar ein künstlicher Blasenschließmuskel haben jedoch auch Nebenwirkungen. Es entwickelt sich rasch Angst, dass die Vorlage oder das Urinal entdeckt oder dass man mit eingenässter Hose erwischt wird. Aus Furcht vor der Blamage verlässt mancher kaum noch die Wohnung. "Mein Klo hält mich an der kurzen Leine", formuliert wohl insgeheim so manch Betroffener.

3) Beziehungsprobleme

In der Partnerschaft stehen beide Partner vor deutlichen Herausforderungen. Dabei spielen aus Sicht der Partnerinnen oft Themen wie "Ich möchte meinen Mann unterstützen, aber er fühlt sich entmündigt", "Er geht auf Distanz - und ich habe Angst, ihn zu verlieren" oder "Wir haben die gleichen Sorgen, aber wir können nicht darüber reden" eine Rolle. Die Männer hingegen sind extrem gefordert, sich ihr Mann-Sein zu erhalten und nicht zum hilfsbedürftigen Objekt herabgestuft zu werden. Es geht meistens genauso sehr darum, die eigene Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu bewahren, als auch Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen. 

Was kann Mann tun?

1) Körpertherapeutische Stärkung

Lernen Sie fundierte Trainingseinheiten zur Stärkung der Unterleibsorgane kennen. Sie bekommen alltagspraktische Techniken an die Hand, sich selbst besser zu helfen. Die Übungen versprechen in vielen Fällen eine Steigerung der Männlichkeit, Potenz und Kontinenz.

2) Paartherapeutische Unterstützung

Da die akute Therapiephase viel Kraft abverlangt, fallen wichtige Auseinandersetzungen unter den Tisch. Vieles wird aus Rücksichtnahme verschwiegen. Dabei geht es um die Klärung wichtiger Fragen wie "Bin ich Dir noch Mann und Partner genug?" Und "Wie kann unser Liebesleben DANACH aussehen?" Konkret und offen zu sprechen ist ein wichtiger Schritt, gemeinsame Spielräume zu entdecken und zu erotischem Genuss zu gelangen.